Sie befinden sich aktuell in den Aktuelles Blog-Archiven für den folgenden Tag 1.9.2010.
- Allgemein (34)
- 7.9.2010: Etwas verschoben, aber trotz allem ein schöner Bericht :-)
- 1.9.2010: In vielen kleinen Schritten zum großen Ziel
- 14.2.2010: Ohne Worte
- 13.2.2010: Einladung
- 13.2.2010: Rhodesian Ridgeback bei uns Zuhause
- 9.1.2010: Alles Gute für 2010
- 11.10.2009: Ironman Hawaii 11:15:35 Rang 881 zufrieden?
- 31.8.2009: Lasst Euch niemals "NIE" sagen
- 22.6.2009: Influenza stoppt meine Träume von Hawaii...
- 4.3.2009: Frankfurter Sparkasse IRONMAN European Championship
Archive für 1.9.2010
In vielen kleinen Schritten zum großen Ziel
1.9.2010 von Andreas.
Die großen Ziele sind es meist, die wir erreichen wollen, vor denen wir aber auch Angst haben. Hat man nur das große Ziel vor Augen, fühlt man sich schnell überfordert. Darum sollte man immer Schritt für Schritt Dinge angehen und dabei erkennen, dass man seinem Ziel langsam aber stetig näher kommt.
Ich schreibe seit geraumer Zeit eine Kolumne auf der Webseiter der Techniker Krankenkasse. Diese werde ich jetzt auch auf meiner Seite veröffentlichen, damit Sie auch mal aktuelle Texte verfolgen können :-) Ich bin ja schon etwas faul was meine Aktualisierungen betrifft. Sorry!
In meinen letzten Beiträgen habe ich häufiger das Race Across America erwähnt. Abgekürzt heißt es RAAM. 4800 km nonstop mit dem Fahrrad, quer durch den amerikanischen Kontinent. Dieses Jahr bin ich mit einem Vierer-Teambei diesem Rennen gestartet und in 6 Tagen 23 Stunden und 56 Minuten am Zielort angekommen. Nächstes Jahr wird es mein Ziel sein, das Rennen allein zu fahren.
Jetzt werden Sie sich sicherlich fragen, warum tun sich Menschen das an? Das kann doch nicht gesund sein!
Ein professionell kalkuliertes Sportevent
Auf den ersten Blick, von außen betrachtet, sind Dinge, die wir nicht kennen und die man schlecht einschätzen kann, oft mit gedanklichen Barrieren verbunden. Dies trifft nicht nur bei außerordentlich sportlichen Leistungen zu. Nein, diese Barrieren finden wir bei allen Dingen, mit denen wir uns zuvor nicht beschäftigt haben. Ich finde es zum Beispiel unfassbar, was trainierte Kinder auf BMX-Rädern leisten können. Mit offenem Mund schaue ich mir das Spektakel an und frage mich, wie oft müssen die gestürzt sein, bevor sie so fahren konnten? Unweigerlich kommt bei mir der Gedanke auf: Das kann doch nicht gesund sein!
Wenn man sich das Ganze aber länger anschaut, stellt man fest, dass diese Kids etwas tun, an das sie sich nach und nach herangetastet haben. Es sieht sehr kalkuliert-trainiert aus und vor allem: Es erscheint sicher.
Genau so sehe ich mein Race Across America von diesem Jahr. Diese Sicherheit sehe ich vor allem auch als Einzelstarter im nächsten Jahr. Mein RAAM wird ein professionell kalkuliertes Sportevent, auf das ich mich seit mehr als zehn Jahren, nicht unbedingt bewusst, vorbereitet habe. Bei diesem Projekt geht es nicht allein darum, sich beimTraining auf das Radfahren zu konzentrieren. Es sind viele kleine und auch große Bereiche, die stimmen müssen. Das, was Sie nach einem solchen Rennen sehen, ist allein das Ergebnis. Ich kann durchaus verstehen, dass für Sie Fragen offen bleiben und vor allem Unverständnis, wie man eine solche Strecke in dieser Zeit bewältigen kann.
Man wächst mit seinen Aufgaben
Ähnlich sehe ich es auch bei einem Zehnkampf. Ein Zehnkämpfer hat sicherlich nicht mit dem Sport begonnen und direkt alle zehn Disziplinen trainiert. Er hat mit irgendeiner Sportart begonnen und sich nach und nach an die zehn verschiedenen Sportarten herangewagt.
Oder stellen Sie sich bitte doch einmal eine für Sie persönlich neue Situation vor. Ihr erster Schultag, der Beginn ihrer Ausbildung oder ein neuer Job. Sie betreten einen neuen Lebensabschnitt, in dem Sie unbekannten, fremden Menschen begegnen. Sie lernen neue Arbeitsabläufe kennen, bei denen Sie vielleicht anfangs wie der sprichwörtliche “Ochs vorm Berg” stehen und sich denken, das schaffst Du nie! Und doch schaffen wir dann immer wieder Dinge, die uns zuvor als unmöglich, unlösbar erschienen. Man - besser Mensch - wächst mit den Aufgaben, sagt man. Genau so ist es!
Genau deshalb möchte ich versuchen, meine Vorbereitung für das RAAM 2011 so anschaulich darzustellen, dass Sie erkennen, dass das große Ziel - das zugegeben selbst für mich heute oft unerreichbar scheint - durch die vielen Ziele, die ich in den letzten Jahren im Vorfeld erreicht habe und die Vorbereitung verständlich wird. Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Etwas, das wir viel zu häufig vergessen oder auch gar nicht hören wollen.
Einfach, gibt es nicht!
Bei jemand, der seine Aufgabe beherrscht, scheint alles so einfach zu sein. Genau dies ist aber der springende Punkt. Einfach, gibt es nicht!
Wenn ich nochmal jung wäre …
Hier noch eine kleine Geschichte am Rande. Nach einem Trainingslager auf Lanzarote stieg ich ins Flugzeug, um nach Hause zu fliegen. Neben mir saß eine sehr nette Kölnerin, mit der ich schnell ins Gespräch und schließlich auf das Thema Trainingslager kam. “Auf Lanzarote Fahrrad fahren, das geht?”, fragte die Kölnerin und ich erzählte ihr, dass Lanzarote das Trainingsdomizil von vielen Sportlern wäre. Sie schaute in die Ferne und meinte nur: Ja, wenn ich noch einmal jung wäre, würde ich auch mehr Sport treiben und auf meine Figur achten. Aber irgendwie schaffe ich es nicht, mein Übergewicht in den Griff zu bekommen. In diesem Moment kam die Stewardess und fragte, was wir trinken wollten. Meine Sitznachbarin bestellte sich eine Cola, ich eine Apfelsaftschorle.
Eigentlich hätte ich sie schon in diesem Moment auf ihre Getränkeauswahl aufmerksam machen sollen, ich ließ es aber sein. Nach der Landung stiegen wir aus, verabschiedeten uns und gingen zum Gepäckband. Es ging über lange Korridore und dann noch eine Treppe hinunter. Ich entschied mich für die Treppenstufen, meine Flugnachbarin für die Rolltreppe. Unten angekommen grinsten wir uns an und ich konnte nicht mehr umhin und sagte zu ihr: Wenn sie wirklich abnehmen möchten, hätten Sie heute zwei kleine Entscheidungen treffen können, die Sie näher an ihr Ziel gebracht hätten. Anstatt der Cola, ein Wasser - anstatt der Rolltreppe die Stufen.
Täglich kleine Veränderungen ohne sich zu quälen
Zwei kleine Entscheidungen, die man verinnerlichen sollte und tagtäglich könnten kleine Veränderungen hinzukommen. Ohne sich zu quälen, bekommt man mehr Bewegung und eine bewusstere und gesündere Art sich zu ernähren. Das große Ziel “abzunehmen” wird durch die vielen kleinen Schritte zusehends kleiner und erscheint nach und nach nicht mehr unmöglich.
Die großen Ziele sind es meist, die wir Menschen erreichen möchten, aber vor denen wir auch Angst haben. Zu recht, denn wenn man nur das große Ziel vor Augen hat, gerät man schnell in die Situation, dass man sich überfordert fühlt. Die Gefahr, dass man dann aufhört seine Ziele erreichen zu wollen, ist dann sehr hoch. Aus diesem Grunde sollte man immer Schritt für Schritt Dinge angehen und dabei erkennen, dass man seinem Ziel langsam näher kommt.
Mit den kleinen Schritten fing es auch bei mir an
Mit den kleinen Schritten fing es auch bei mir und mit meinem Sport an. 1995 war ich deutlich zu schwer und rauchte bis zu zwei Schachteln Zigaretten am Tag.
Ein Jahr später fing ich mit dem Laufsport an. Durch das Laufen haben sich viele Dinge verändert, die ich bewusst gar nicht wahrgenommen habe. Ich rauchte immer weniger, trank mehr Wasser, aß plötzlich Obst und spürte mich und meinen Körper auf einer ganz anderen, mir bis dahin unbekannten Weise.
Neben dem Laufen fing ich an Gymnastik zu machen, später kamen auch Trainingseinheiten mit Koordinationsübungen dazu. Jahr für Jahr lernte ich mich, meinen Körper und vor allem meine Bedürfnisse immer besser kennen. Anfangs schienen Laufstrecken von fünf Kilometern für mich noch unüberwindbar. Aber je regelmäßiger ich lief, desto länger wurden die Strecken. So kam ich zu meinem ersten Marathonlauf. Wenige Monate zuvor hätte ich mir niemals zugetraut, eine solche Strecke auch nur ansatzweise bewältigen zu können.
Über das Laufen kam ich zum Triathlonsport
Anfangs war ich noch auf der Olympischen Distanz zuhause: 1,5 Km Schwimmen, 40 Km Radfahren, 10 Km Laufen. Ich hätte am Anfang auch niemals geglaubt, eines Tages einmal ein Ironman-Rennen (3,8 km, 180 km, 42 Km) absolvieren zu können.
Aber es kam wie es kommen musste, nach dem ersten Ironman-Rennen waren die Olympischen Distanzen gefühlte Kurzstrecken. Mein Trainingspensum allein beim Radfahren lag zu diesem Zeitpunkt bei 20 - 25.000 Kilometern im Jahr; über einen Zeitraum von fast acht Jahren.
Meine Life-Balance hat sich nach und nach geändert
Aber nicht allein das Training spielte dabei eine Rolle, auch meine Ernährung, mein Schlaf, meine mentale Fitness, modern ausgedrückt meine Life-Balance. Jetzt schrecken sie nicht gleich zurück und sagen sich, auweia, das hört sich ja verdammt anstrengend an. Keine Angst, ich bin und war ganz bestimmt nie ein Asket, der sich selbst ständig prüft und nur noch zwanghaft darauf achtet, was er essen darf usw.
Es hat sich einfach nach und nach verändert
Es hat sich im Laufe der Jahre einfach immer mehr dazu verändert, ohne dass ich es herbeigezaubert habe. Ich fing schrittweise an mich gesünder zu ernähren und das positive daran war, ich konnte es “spüren”. Morgens fühlte ich mich fitter, ich konnte besser trainieren und mein Körper hat sich auch äußerlich verändert. Es hat Spaß gemacht, die Veränderungen nicht nur zu spüren sondern auch zu sehen. Hier könnte man jetzt sagen: “Boah, ist der selbst verliebt!” Jetzt mal ganz ehrlich, finden Sie es nicht auch schön, wenn Sie sich mit ihrem Körper im Einklang und wohl fühlen. Gehen wir nicht selbstbewusster und mit viel mehr Freude durchs Leben, wenn wir einfach mehr Energie haben?
Ausgewogen und vielseitig ernähren
Früher habe ich mir einen Einkaufszettel geschrieben, auf dem ich ganz bewusst gesunde Lebensmittel aufgeführt hatte. Heute habe ich verinnerlicht, was mir gut tut und gehe ohne Einkaufszettel einkaufen. Ernährung im Sport wie auch im normalen Leben spielt dabei eine wichtige Rolle. Obst und Gemüse - saisonal war früher, heute gibt es ja alles zu jeder Jahreszeit - haben wenig Kalorien und viele wertvolle Inhaltsstoffe. Ansonsten: Ausgewogen und vielseitig ist die einfache Lösung für eine gesunde Ernährung.
Ausreichend trinken
Wichtig ist es auch, genug zu trinken, mindestens 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser. Das Trinken von Wasser hält uns fit und sorgt nebenbei auch für eine schönere Haut, nicht nur von außen. Früher viel es mir schwer regelmäßig zu trinken, heute habe ich an mehreren Stellen unserer Wohnung meine Wasserflaschen stehen, die mich immer wieder daran erinnern, zu trinken.
Früher fiel es mir schwer, früh ins Bett zu gehen. Heute fällt es mir leicht, früh aufzustehen, um das zu tun, was mir Spaß bereitet. Aktiv zu sein, zu arbeiten, Sport zu treiben, Spazieren zu gehen oder mit der Familie eine schöne Radtour zu unternehmen.
Mentale Fitness gehört dazu
Mentale Fitness ist etwas, das ich nie gezielt trainiert habe, aber unbewusst doch immer wieder nutze und heute tagtäglich lebe. Wenn es mir in einer Situation nicht gut geht oder ich merke, dass etwas schwierig wird, versuche ich mir vorzustellen, wie es sein könnte, wenn ich diese Situation trotz allem meistere. Ich versuche mir aber auch vorzustellen, wie ich mich fühle, wenn ich aufhöre daran zu glauben, dass ich es schaffen könnte.
Positive Bilder helfen
Gerade bei körperlichen Anstrengungen, bei denen es in Grenzbereiche hinein geht, versuche ich mir immer positive Bilder ins Gedächtnis zu rufen. Wie die Geburt meiner Kinder zum Beispiel. Ich stelle mir aber auch vor, welch ein super geniales Gefühl es sein wird, wenn ich das Ziel erreiche. Das müssen nicht immer die ganz großen Ziele sein, die Spaß bereiten, denn die kann man ja nicht jeden Tag erreichen.
Die kleinen Dinge des Alltags motivieren
Gerade die kleinen Dinge des Alltags können und sollen motivieren. Es kann und sollte auch ein Ziel sein, sich mehr Zeit für sich selbst, die Familie und seine Freunde zu nehmen. Ein gemeinsames Spiel mit den Kindern oder die Freude meiner Frau, wenn ich Ihr einen Blumenstrauß schenke, können uns motivieren.
Das Leben ist eine Wundertüte. Daraus ergeben sich immer wieder Möglichkeiten sich zu entwickeln und neue Dinge auszuprobieren. Ich glaube aber, dass wir Einfluss darauf haben, welche Dinge sich in welcher Form in unserer Wundertüte befinden und was wir daraus machen. Greifen sie hinein, schauen Sie, was Sie herausholen und entscheiden Sie, was Sie damit anstellen wollen. Ich glaube, dass wir nicht zuschauen sollten, wie unser Leben verläuft.
Wir selbst haben es jeden Tag aufs Neue in der Hand, ob und wann sich etwas in unserem Leben “TUT” oder verändert. Ein für mich ganz entscheidender Punkt, der bei mir vor allem steht, ist meine Gesundheit. Da ich durch meine Drogenabhängigkeit in jungen Jahren erlebt habe, was es bedeuten kann aufgrund gesundheitlicher Problemen nicht mehr am Leben teilzunehmen, kann ich heute nur eines sagen: Unser Leben ist wundervoll und voller Möglichkeiten.
Gesundheit können wir zu einem guten Teil selbst beeinflussen
Ich für meinen Teil habe entschieden, gesund alt zu werden, weiß heute aber, dass Gesundheit nicht nur mit Glück zu tun hat. Gesundheit können wir zu einem guten Teil eigenverantwortlich beeinflussen. Es hat damit zu tun, dass wir uns mit dem beschäftigen, was uns tagtäglich funktionieren lässt: unserem Körper!
Tipps, wie Sie Ihre Ziele erreichen können
Zum Erreichen von Zielen habe ich ganz einfache Tipps, die auch Ihnen helfen könnten, Ihr Ziel zu erreichen:
Vor jedem Ziel sollten Sie sich zuerst fragen: Ist es wirklich das, was ich will?
Das ist und bleibt der entscheidende “Knackpunkt”. Wenn ich etwas will, wird es auch Wege geben, dort hin zu kommen. Wenn ich schon im Vorfeld das Gefühl habe, das will ich eigentlich gar nicht, wird es schwer, wenn nicht sogar unmöglich, ein Ziel zu erreichen.
Etwas, das man nicht kann, kann man meist erlernen
Ich kann das nicht! Wird häufig gesagt. Aber das ist doch kein wirkliches Problem! Oder? Denn etwas, das man nicht kann, kann man meist erlernen. Holen Sie sich Unterstützung und Hilfe!
Machen Sie sich einen Plan
Ich weiß nicht, wie ich es machen soll! Auch das ist eine lösbare Frage! Setzen Sie sich hin und schreiben Sie sich auf, wie das große Ziel aussehen soll. Versuchen Sie sich Schritt für Schritt ihrem Ziel zu nähern.
Auch Umwege können helfen
Das große Ziel zu erreichen, bedeutet nicht immer, den direkten Weg zu gehen. Auch Umwege können helfen, sich seinem Ziel zu nähern. Manchmal können diese Umwege auch einige Jahre dauern, so wie bei meinem sportlichen Ziel 2011, dem Race Across America.
Erst einmal wünsche ich Ihnen für Ihre Ziele und Träume die notwendigen Blickwinkel, um die Chancen zu erkennen. Ausdauer und Geduld, um dran zu bleiben, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt und viel Kraft, wenn es nicht ganz so einfach funktioniert, wie Sie es sich gerne wünschen.
Ihr Andreas Niedrig
Geschrieben in Allgemein | Keine Kommentare »

